Touring

Mit folgenden Texten möchte ich meine Erfahrungen zum Reisen mit Fahrrad und GPS teilen. Mit den Karten von Velomap war es mir möglich, in jeder Europäischen Stadt die kleinen Schleichwege der lokalen Riders zu fahren, ohne die verstörende Erfahrung zu machen, auf Schnellstrassen im Abendverkehr total verloren eine Bleibe zu suchen. Das ist eine ganz neue Freiheit. Openstreetmap als Mitmachkarte für jedermann eröffnet einem ganz neue Möglichkeiten.

Ukraine
Südpolen
Tschechei
Allgäu und in Bayern

Fahrradfahren in der Ukraine

Mein Weg durch die Ukraine führte mich von Südpolen her nach L’viv (Lemberg), von da nach Kiev, und danach der Dnieper entlang in Richtung Südosten, bis ich schliesslich auf der Halbinsel Krim landete.

Mit dem Grenzübertritt in die Ukraine verlässt man gewohntes Land. Pferdewagen und ungeteerte Strassen sind im Westen des Landes bzw. in den Karpaten die Regel. Die vielen schönen und kleinen Dörfer ziehen sich der Hauptstrasse nach. Jedes Haus ist mit einem mannshohen bunten Zaun versehen, der aber Einblick auf das weiss gestrichene Haus erlaubt. Der Zaun dient zum einsperren der Haustiere, wovon jede Familie von jeder domestizierten Gattung mindestens ein Paar hat. Tagsüber werden diese  frei gelassen, so dass entlang der Strasse allerlei Getier scharrt, blöckt, muht oder sich sonstwie bemerkbar macht. Viele Familien sind Selbsternährer, betreiben Landwirtschaft und Geflügelzucht. Was über bleibt, wird gegen Abend direkt vor der Haustüre verkauft oder in dem nächst grösseren Ort am Markt feilgeboten.

Das ganze Land ist mit ein paar wenigen Hauptrouten verbunden. Diese sind stark vom Verkehr belastet, so dass man sie besser meidet. Ich kam bei meiner Reise aber nicht darum herum, diese Teilweise zu nutzen, da das Strassennetz immer auf diese Hauptrouten ausgerichtet ist. Man muss sich schon mindestens 30 km von einer solchen Route entfernt bewegen, dass nicht jeder Weg automatisch auf eine solche Schnellstrasse zu verläuft. Nach ein paar Tagen hatte ich mir angewöhnt, die Hälfte des Tages einer solchen Hauptroute zu folgen und den Rest des Tages durch kleine Dörfer zu radeln. Die Hauptstrassen sind jedoch sehr breit und auf beiden Strassenseiten gibt es genügend Platz für Fahrräder, Pferdefuhrwerke und Fussgänger.

Zur Navigation mit dem Edge800 nutzte ich zum einen die Karten von Velomap und darunterliegend eine viel detailliertere Karte von CarteBlanche Ukraine. Diese war in Kyrillisch. Durch die Überblendfunktion des Edge800 konnte ich nun die Namen grösserer Städte in Kyrillisch und in Roma ablesen, was mir beim üben des Kyrlischen Alphabets sehr geholfen hat. Als Papierkarte nutzte ich ebenfalls eine in Kyrillisch, ansonsten die Ukrainer nicht in der Lage gewesen wären, mir zu helfen.

Der Nordwesten des Landes ist noch stark bäuerlich und die Strassen schlecht. Also perfekte Bedingungen für Offroadbegeisterte. Da L’viv Nördlich der Karpaten liegt, habe ich auf meiner Route nur die letzten nördlichen Ausläufer des Gebirges durchquert.  Somit war das Terrain auf den 2000km durch die Ukraine bis auf die Halbinsel Krim flach. Man kommt also gute 100 km am Tag voran, wenn man das denn will.

Die Gebiet entlang der Dnieper ist stark industrialisiert und besonders im Süden stark besiedelt. Die sovjetische Regim hat wärend der Besatzung den Fluss auf weiten Teilen aufgestaut, so dass die Dnjeper an ihrer weitesten Stelle 15km breit ist. Leider ist sie aber an ihrer Tiefsten stelle nur wenige Meter tief, über weite Teile sogar nur knöcheltief. Aus heutiger Sicht war dieses Stauprojekt totaler Schwachsinn. Wahrscheinlich war es das bereits zu Zeiten der Sovjetunion, aber was von Moskau befohlen wurde, musste so gemacht werden. Über das ganze Land verteilt findet man Überreste der Planwirtschaft. Beim erfahren dieses Landes wurde mir erst bewusst, wie schrecklich und gross das Ausmass dieser Zerstörung ist. Die Sowjetunion hat einen riesigen Schaden an Land, Umwelt und Kultur hinterlassen. Besonders ältere berufstätige Frauen sind stark verbittert. So kam es öfter vor, dass einem an der Rezeption im Hotel Unbill und Gleichgültigkeit begegnet. Fast schon apatisch wird die Formalität erledigt. Es gibt aber auch die Ausnahme von der Regel und man begegnete mir als seltenem Gast als ausgesprochen interessiert und hilfsbereit. Und es bot sich Gelegenheit das Englisch anzuwenden.

Das riesige, für mich fast gänzlich unbekannte Land, hat es mir durch seine Vielseitigkeit und interessante kulturelle Struktur sehr angetan. Wie erwähnt, ist die Sowjet-Zeit noch nicht überwunden. Bis sich das Land davon befreit hat, wird es noch Jahrzehnte gehen. Aber, durch die vielen Bekanntschaften die ich machen durfte, kann ich sagen, dass es Hoffnung gibt. Leider sind aber auch seit geraumer Zeit unsere Grosskonzerne daran, dass Land auszuschröpfen und hier riesige Monokulturen für unseren Grossverteiler anzulegen. Die Bauern sind natürlich gerne bereit, einzusteigen und gross zu kassieren. Dass das Agrarland aber nach wenigen Jahren für diese Art von Pflanzung nicht mehr geeignet ist, verschweigen ihre Kreditgeber aber.

Umweltschutz gibt es in der Ukraine nicht. Mir kam es vor, als ob ich durch eine riesige Müllhalde fahre. Alles wird einfach in den nächsten Busch geworfen. Als schreckliches Beispiel kann ich ein Jugendcamp anführen, dass in Müll erstickt. Die Natur wird als Müllkippe genutzt und das wird wohl auch noch in der nächsten Generation so bleiben. Auch bei Hygiene und Sauberkeit müssen Abstriche gemacht werden. Wirklich sauber ist es nur beim wild Campieren, wenn man von den vielen Petflaschen absieht, die überall im Wald und auf Feldern zu finden sind.

Die Verpflegung ist für den Fahrradreisenden einfach. In jedem Ort gibt es das „Magazin“, den Tante-Emma-Laden. Dieser Minimarket führt die nötigsten Lebensmittel, aber auch nicht mehr. Oft sind die Lebensmittel über das Verfallsdatum hinaus in der Auslage, so dass es Sinn macht, bei kritischen Lebensmitteln das Datum zu kontrollieren oder nach der frische zu Fragen. Wurstwaren und Käse sind solche Produkte. Oft konnte ich den Yoghurtdrink gleich nach dem ersten Schluck entsorgen, da wahrscheinlich die Kühlkette unterbrochen wurde. Als guter Energielieferant diente mir „Halva“, ein süsse Masse aus Sonneblumenkernen. Es schmeckt lecker und hält lange an. Mit etwas Glück finded man sogar dunkles Brot. Unbedingt sollte Senf mitgeführt werden, um das Fade essen wenigstens etwas aufzupeppen. Die Esskultur ist im Vergleich zu anderen Ländern und im Gegensatz zur Trinkkultur eher bescheiden. Eine weitere Möglichkeit zur Verpflegung ist das Einkaufen am Strassenrand. Wie eingangs erwähnt, werden Früchte und Gemüse direkt vor der Haustüre feilgeboten. Leider oft nur in Mengen zu 2,5kg oder 1kg – es braucht schon etwas Überredungskunst, um eine Fahrradtaugliche Menge zu bekommen.

Die Herzlichkeit und Neugier der Leute macht es aber wieder weg und ich habe oft ein Lächeln im Gesicht, wenn ich an all Eindrücke denke, die ich bis jetzt gesammelt habe.

Fahrradfahren in Südpolen

Mein Weg führte mich von Südwesten her nach Auschwitz, Krakow, Tarnov und einen Partyort namens Salina im Südosten an einem wunderschönen Stausee gelegen. Polen hat ausgeschilderte Fahrradrouten. Diese verlaufen aber immer auf Seitenstrassen und das System habe ich nicht verstanden, da ich keine Reiseführer dazu hatte. Also verliess ich mich wieder auf mein Edge800 und versuchte auf Seitenstrassen zu meinen Zielstädten zu gelangen. Das Autorouting funktionierte nicht wie gewohnt, so dass ich oft nachbessern musste und mir auf dem kleinen Bildschirm selbst den Weg suchen musste. Sobald ich dann aber die richtige Seitenstrasse hatte, hat sich nach einem „recalculate Route“ ein Weg ohne Verkehr gezeigt.

Ganz gegen meine Erwartungen ist Polen relativ teuer.  Auf jedenfall teurer als die Tschechei es war. Eine Nacht im Camping kostet schnell 15 Euro.

Ganz besonders gefallen hat mir die dreistündige Tour duch die Saline in Wieliczka http://kopalnia.pl/ . Leider ist mir genau bei dieser Besichtigung die Batterie vom Fotoaparat ausgegangen, so dass ich keine Bilder von dieser 600-jährigen beeindruckenden Untertagebau schiessen konnte.

Campingmöglichkeiten gibt es vereinzelt. Diese sind allerdings nicht in Openstreetmap verzeichnet, so dass man sich diese unbedingt vorher als Waypoints aufs GPS holen sollte. Auf dem ersten Camping in Krakow habe ich dazu den Campingführer von Polen abfotografiert und mit Hilfe von http://en.camping.info/campsites ins MapSource übernommen.

Mit autofahrenden Polinen habe ich keine guten Erfahrungen gemacht. Da Polen kein Veloland ist und nicht so viele Radfahrer hat, sind sich die Autofahrer den ungewohnten Verkehrsteilnehmer nicht gewohnt und reagieren deshalb oft falsch. Ein Rückspiegel am Fahrrad und Helm ist auf einer Radreise pflicht.

Polen grüssen auch auf dem Land nicht. Das war ersteinmal ungewohnt. Doch wenn man sie anspricht sind sie ausgesprochen freundlich, hilfsbereit und interessiert an einem. Und ich hatte es immer lustig und gut.

Verpflegungsmöglichkeiten gibt es alle paar Kilometer vom Tante-Emma-Laden und alle 50km gibts dann einen Lidl, Aldi oder Tesco.

Fahrradfahren in der Tschechei

Mein Weg führte mich von Bayrischen Wald nach Pilsen auf die Euroroute 4, welcher ich fortan versuchte zu folgen.  Prag, Brno und Osawa waren die grossen Städte auf meiner Route. Die Tschechei ist bisher das Veloland schlechthin für mich. Die Natur ist unglaublich abwechselnd; von sehr hügeligen unberührten Gebieten bis zu von Grossstädtlern angelegten MTB Tracks findet man alles. Und diese sind auch im OpenStreetMap eingetragen, so dass mein Weg sehr abwechslungsreich und anspruchsvoll war. Ich nutzte fast ausschliesslich Autorouting auf dem Edge800. In der Gegend um Brno herum hatte ich allerdings Probleme, so dass ich meine Route am PC vorbereitete und dieser dann folgte. Die Conturelines habe ich nicht geladen, so dass ich jedem Hügel unvorbereitet begegnete.

Die Preise sind günstig, aber keinesfalls billig. Im Gegensatz zu Deutschland gibt es in fast allen kleinen Dörfern eine Einkaufsmöglichkeit, so dass ich nie Durst leiden musste.

Die Navigation mit den freien Karten von www.velomap.org funktionierte einwandfrei und jeder noch so kleine Track ist verzeichnet. Autorouting auf dem Edge800 funktionierte um Brno nicht.

Die Leute sind ausgesprochen freundlich und Hilfsbereit. Deutsch und Englisch wird vereinzelt gesprochen. Man findet sich sehr gut zurecht, da alles noch so ist wie von uns gewohnt.

Campingmöglichkeiten gibt es einige. Wenige sind aber im OpenStreetMap getagt. Es macht also Sinn, sich diese entweder vorher als Waypoints zu speichern oder sie Manuel auf der Papierkarte zu markieren. Eine Papierkarte vom jeweiligen Land sollte man sich unbedingt zulegen. Wenn ich die Gelegenheit hatte, fotografierte ich gute und detailreiche Karten mit meiner Digitalkamera ab, so dass ich im Notfall darauf zugreifen konnte.

Fahrradfahren im Allgäu und in Bayern

Mit Hilfe der Velomaps für das Edge800 war ich in der Lage meinen Weg vom Bodensee in den Bayrischen Wald fast ausschliesslich auf Waldwegen und kleinen Seitenstrassen zurückzulegen. Bayern ist ein Fahrradland und man trifft überall auf Radler. Die Wege sind einwandfrei und manchmal etwas zu oft ausgeschildert, so dass man schnell den Überblick verliert über die schiere Menge an möglichen Routen. Ich orientierte mich ausschliesslich mit dem Navi und dem darauf angezeigten sehr genauen Kompass.

Es gibt zig Gaststätten zum einkehren auf dem Weg. Einfache Einkaufsmöglichkeiten, um z.B. Wasser zu kaufen, sind auf dem Land aber die Ausnahme und Brunnen gibt es auch nur sehr selten, so dass ich Bauern fragte, um an Trinkwasser zu kommen.

Das Terrain auf meiner Route war eher hügelig im Süden und flachte dann gegen Osten bis zum Bayrischen Wald ab. Dort allerdings ist es  wieder kräftig bergig.

Die Navigation mit den freien Karten von www.velomap.org funktionierte einwandfrei und jeder noch so kleine Track ist verzeichnet. Autorouting bis 100km auf dem Edge800 funktionierte perfekt.

Die Leute sind ausgesprochen freundlich und Hilfsbereit. Überall wird gegrüsst und man ist immer zu einen kleinen Schwatz bereit.

Campingmöglichkeiten gibt es immer wieder und einige sind auch im OpenStreetMap getagt, so dass man sie auf dem GPS findet. Das Tagging besonders von Campingplätzen könnte aber besser sein.

1 Comment Add your own

  • 1. extremecarver  |  September 15, 2011 at 9:25 pm

    Sehr cool, wird Zeit dass ich auch mal wieder einfach irgendwo querfeldein mit dem Trekkingrad fahre, statt immer technischere Singletrails und Kletterseige mit dem dem MTB zu bezwingen…

    lg Felix aka extremecarver

    Reply

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